Letzte Nacht

Seit acht Jahren arbeitet Karoline Schreiber, Malerin und Zeichnerin, kontinuierlich und konsequent an einem umfangreichen zeichnerischen Werkzyklus. Die Zeichnung begleitet sie seit jeher, hat sich in ihrem Werk zu einer unverwechselbaren visuellen Sprache entwickelt und als solche sozusagen verselbständigt.

Letzte Nacht vereint erstmals eine Auswahl von knapp 500 der mittlerweile 3000 Zeichnungen Schreibers in einem Künstlerbuch. Die Zeichnungen entstehen in einer Methode, die die Künstlerin „automatische Zeichnung“ nennt. Darin räumt sie dem Intuitiven, Ungeplanten und Unbewussten viele Rechte ein und bezieht sich auf die écriture automatique. Sie zeichnet nach einem von ihr festgelegten Prinzip, wobei mindestens eine Zeichnung pro Tag im immer gleichen Typ Buch entsteht. Letzte Nacht macht Karoline Schreibers zeichnerische Haltung sichtbar: Unzulänglichkeiten und Abgründe werden in Anlehnung an den Surrealismus ausschweifend thematisiert, sei es als vereinzelt auf dem weißen Papier stehende Bildmotive oder als wuchernde narrative Bilderfindungen. Sie tut dies in der expliziten Sprache von Pop und Comic und erweitert die Bildwelt mit sprachlichen Elementen – einfache Fragen, Feststellungen, Aussagen – um eine rätselhafte Komponente.

Bei dem vorliegenden Künstlerbuch handelt es sich um eine Ode an die Zeichnung, die unendliche Möglichkeiten birgt, dabei ganz unaufwändig funktioniert und den Betrachter in eine Parallelwelt entführen kann. Auch für den Zeichnenden hält sie ungeahnte Möglichkeiten des Eskapismus bereit. In einer Zeit, in der das schnelle „Bildermachen“ meist mit digitalen Mitteln praktiziert wird, ist für Karoline Schreiber das Medium Zeichnung in seiner individuellen Direktheit von großer Bedeutung.

Letzte Nacht vereint eine relevante Auswahl des zeichnerischen Werks, einige Traumtexte der Künstlerin, sowie ausgewählte Malereien. Texte von Sarah Merten und Samuel Herzog.