Night. Tail. Pieces

Cornelia Renz' Night. Tail. Pieces nimmt seinen thematischen Ausgangspunkt in den 1805 unter dem Pseudonym Bonaventura erschienenen Nachtwachen, die mittlerweile dem Schriftsteller Ernst August Friedrich Klingemann zugeschrieben werden. Diese Nachwachen sind ein dunkles und wildes Buch, dessen abgerissene und befremdliche Gedanken auch heute noch den einen und anderen Blick auf die Nachtseite des Menschen in seiner bürgerlichen Verfassung erlauben. Die inhaltlich heterogenen Kapitel, die der Ich-Erzähler zum Vorwand einer ironischen Besichtigung seiner Gegenwart nimmt, sind eine lockere Collage gängiger romantischer Topoi (Nacht, Wahnsinn, Theater etc.). Es sind die Entwürfe von Modernität und Autorschaft selbst, die Bonaventuras obskurer 'Nachtwächter' zur Debatte stellt. Die Nachtwachen sind aufschlussreiches Beispiel für Beschäftigung mit dem Grauen, das die Aufklärer, im Glauben an des Gute und Edle zurück gedrängt hatten, und das zum wichtigen Thema der Romantik wird.

Renz verweist auf die Nachtwachen formal – in dem sie ihre Faserstiftbilder entsprechend der Klingemannschen Erzählweise collagenhaft aus den unterschiedlichsten Bildwelten zusammenfügt – wie auch thematisch – in dem sie in ihren Bildern die dunklen, nicht öffentlichen Aspekte menschlichen Verhaltens schildert und einen Blick hinter die bürgerlichen Fassaden beschreibt. Ihre Anregungen bezieht sie hierbei aus volkstümlicher Hinterglasmalerei, aus Heiligenbildern, aus Darstellungen des 19. Jahrhunderts, wie auch aus pornographischem Material. Auf diese Weise entstehen bildmächtige Collagen mit historischer Anmutung und doch aufregend zeitgenössischen Themen.

Mit Texten von Jochen Bedenk, Heinz Stahlhut, Bonaventura (Ernst August Friedrich Klingemann) und Jean Paul; herausgegeben von Axel Lapp.